Donnerstag, 11 Oktober 2018 06:47

Zuflucht in der großen Stadt

Ich lebte Jahrzehntelang in Berlin
- war zwischenzeitlich auch viel in Bangkok und London.
Es ist mir nie so aufgefallen
wie laut der Tag ist
wie schnell ich laufen muss
um all das NICHT zu sehen, was da zu viel ist.
Wie leer die Gesichter sind
und wie erschöpft,
weil sie alle schnell laufen
um dem Lärm des Zuviel, des Anders, des Besondersseinmüssens
zu entkommen.

Die große Stadt
schläft nie
ach wie nett
kurz vor Mitternacht noch Essen zu gehen
oder zu jeder Tages- und Nachtzeit
noch eine exzessive Party zu finden
- alle Singles - alle auf der Suche - ziellos.
Erleuchtete Fenster in Bürogebäuden mitten in der Nacht
schlaflos, rennend.
Sie rennen um ihr Überleben
während ich im Bett liege und nicht schlafen kann
weil die Stadt hämmert und surrt und dröhnt und klopft
aber ich hatte es gar nicht bemerkt, all die Jahre.

Du musst Dir einen Zufluchtsort finden
dort in der Stadt
innen und aussen.
Sonst zermalmt sie Dich
mit ihrer künstlichen Vielfalt
und ihrem ewigen Lärm.

Ein Ort, an dem Du den Wind hörst
und das Gras riechst
die Dich daran erinnern,
dass Du bist, wie alle anderen
verbunden, vergänglich und empfindend.
Die Dir zeigen, was dein Herz berührt
statt deinen aufgewühlten Kopf zu beruhigen.
Dort, wo Du Zuflucht findest,
wird deine Seele Dir irgendwann zuflüstern:
Es ist Zeit, hinaus zu gehen aus der Stadt
mit ihren tausend gebrochenen Versprechen
mit ihrer endlosen Suche
mit ihrem leeren Anspruch, etwas Besonderes zu sein.

 

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